Montag, 23. März 2009

Wochenendausflug nach Harnas


Es war ein Wochenendausflug, den wir so schnell nicht vergessen werden. Am Samstagmorgen machten wir uns auf den Weg zur Harnas Wildlife Foundation, einer Art „Arche Noha“ Namibias. Das komplette Gelände der Harnas Farm (10.000 ha) wurde mit Unterstützung von Angelina Jolie, der Schirmherrin von Harnas, in ein Reservat umgewandelt, in dem Tiere ausgewildert werden können. Bereits jetzt können Wildtiere, die nach Harnas gebracht werden und die keinen Kontakt zu Menschen hatten, direkt in das Gebiet entlassen werden. Einige Tiere hatten bereits mit Menschen Kontakt und waren mehr oder weniger „zahm“. So konnten wir Löwenbabys aus unmittelbarer Nähe sehen, genau wie einen Gepard oder eine Giraffe.


Unterwegs waren wir mit 13 Leuten aus unserem Hotel. Neben einigen Deutschen waren auch die beiden Amerikanerinnen, die für die UN arbeiten und die Kanadierin, die hier an der UNAM Biologie (sehr hilfreich, was das Verhalten von Tieren angeht) studiert, mit dabei. Vor Ort angekommen haben wir erst einmal unser Zeltlager aufgebaut. Auch wenn das Reservat eingezäunt ist, hatte es doch was von Wild-Camping. Neben Oryx-Antilopen liefen Giraffen und Strauße fröhlich durch unser Lager. Nachts hörte man die Schreie der Paviane und das unglaublich beeindruckende Brüllen der Löwen. Am Samstagnachmittag hatten wir unsere erste Führung. Gottfried, ein namibianischer Biologiestudent und Ethosha führten uns zu erst zu den Löwenbabys. Danach konnten wir noch ein paar Fotos mit einem zahmen Gepard machen, bevor es dann zu den „wilden“ Tieren ging. Wir sahen Löwen, Giraffen, Springböcke, Krokodile, Paviane, Wildhunde usw. Es war, obwohl die Tiere nicht wirklich frei sind, wirklich beeindruckend. Die meisten Tiere waren krank oder wurden von ihren Besitzern misshandelt. Auf über 10.000 ha werden sie in Harnas wieder rehabilitiert.
Nach der Tour hatten wir dann ein gemeinsames „Brai“ (Barbecue) und genossen den Sonnenuntergang mit Pils und Lagerfeuer. Es war schon ziemlich cool am nächsten morgen von Giraffen beim Duschen beobachtet zu werden und Oryx-Antilopen am Zelt vorbeilaufen zu sehen. Die nächste Tour ging dann auch schon los und war nicht weniger beeindruckend als die am Vortag. Wir haben einen Leopard auf einem Baum gesehen und einen Luchs, der zwei Meter hochgesprungen ist. Der Ausflug war für alle ein unvergessliches Erlebnis. Heute ging dann auch schon wieder der Unialltag weiter…

Sonntag, 22. März 2009

The Namibian Way of Studying

Da wir ja in erster Linie wegen des Studiums hier in Namibia sind, wollen wir an dieser Stelle schon ein paar Worte über die namibische Art zu studieren verlieren. Namibia ist zwar auch in dieser Hinsicht ein Entwicklungsland (was nicht zuletzt daran deutlich wird, dass die Zwischentests in einer riesigen Garage mit 500 Einzelplätzen geschrieben wird) und hat doch eines mit Deutschland gemeinsam: Der Professor macht den Unterschied! Wenn man also als Austauschstudent an die Polytechnic kommt und die Wahl hat, gehört schon ein wenig Glück dazu, die richtigen Kurse zu finden.
Unsere "Transport Economics"-Dozentin ist zwar durchaus eine sympathische Person, wir haben sie allerdings seitdem wir hier sind erst einmal gesehen. So kommt es durchaus vor, dass man sich morgens um 7.30 Uhr zur Uni quält (noch eine Gemeinsamkeit zu deutschen Vorlesungen) um dann um 7.50 festzustellen, dass der Kurs doch mal wieder "cancelled" ist. Dies ist meistens keine offizielle Ankündigung, sondern die Erkenntnis, dass das Erscheinen der Dozentin bei verbleibenden 30 Minuten Vorlesungen doch eher unwahrscheinlich ist.
Immerhin übernimmt jetzt ein Student die Vorlesung, jedoch hat auch er heute nach 20 Minuten eingesehen, dass es doch mehr Sinn macht, sich morgen erneut zu treffen, wenn er auf den Kurs vorbereitet ist.

Unser Statistik-Dozent Alphonce aus Simbabwe ist zwar auch nicht immer pünktlich, jedoch immer da, und eigentlich kann man es ihm deswegen auch nicht übel nehmen, wenn er das eine oder andere Mal lieber mit dem Handy als mit dem Kurs spricht. Für uns hat er sich außerdem über eine Stunde Zeit genommen, und den Stoff der ersten vier Wochen wiederholt.

Bleiben noch "Wachstums- und Entwicklungsökonomik" und "Namibianische Wirtschaft" - zwei Kurse, die auch kaum gegensätzlicher sein könnten. Während der Wachstums-Dozent (übrigens der einzige promovierte Dozent von uns) mit seinen Projektorfolien auch in eine deutsche Uni passen würde, ist der Namibia-Dozent doch eher der Jürgen Klopp der Polytech, eben ein Kumpeltyp. So wird, wie schon geschrieben, über Vortragsnoten abgestimmt und wenn, wie heute, eine Vortragender gar nicht vorbereitet ist, es allerdings nicht zugeben will, sondern sich noch mit "Professor Limbo" vorstellt, wird der Vortrag eben am Mittwoch nachgeholt.

Wie auch immer, die Namibianer scheint all das nicht zu stören und da Studium Hobby bleiben muss, schließen wir uns Ihnen an. Immerhin lernt man neben dem, was von den namglischen (Namglisch = Namibisches Englisch) Vorlesungen hängen bleibt, doch eine ganze Menge über die Namibianer und ihre Art zu arbeiten und zu studieren. Und bei Problemen gibt es ja immer noch die namibianischen Kommilitonen, die sehr hilfreich sind und uns sehr geholfen haben, nach unserer verspäteten Ankunft, Anschluss zu finden. Unter anderem sind wir jetzt "Members of the Polytechnic Economics Students Society" - dazu dann in einigen Tagen nochmal mehr...

Sonntag, 15. März 2009

St. Patrick's Day

Das Paradisegarden Hostel bringt Menschen aller Länder zusammen. Nicole, unsere Kanadierin, die den irischen Feiertag in ihrer Heimat seit Jahren feiert, wollte auch in Windhoek nicht darauf verzichten und einige Deutsche, ein Finne sowie zwei Amerikanerinnen ließen sich nicht lange bitten. Da die meisten von uns am eigentlichen St. Patrick's Day arbeiten müssen, zogen wir die Feier auf Samstag vor (--> "Studium muss Hobby bleiben").
Nicole verwöhnte uns mit Pancakes und Juho machte Irish Coffee zum Frühstück. Alternativ gab es Windhoek-Lager mit grünem Farbstoff. Das Auge trinkt eben mit...
Abgerundet wurde der Tag dann mit einem traditionellen afrikanischen Grillfest, dem sogenannten "braai". Da man für ein Kilo Fleisch hier etwa die Hälfte des deutschen Preises bezahlt, sparte Moritz nicht an der Anzahl der Spieße...
Wie immer sind auch ein paar Fotos im Album zu finden!

Dienstag, 10. März 2009

Auf den Spuren Grzimeks

Unsere erste Expedition starteten wir mit einem alten VW Golf im 30 km entfernten Daan Viljoen Game Park. Auf uns wartete eine 9 km lange Wanderung auf bis zu 1700 Höhenmetern. Zusammen mit Jenny, Steffi und Julia begann unsere Tour bei wunderschönem Wetter. Auf dem Weg zum Park bekamen wir erste Einblicke wie das „wahre“ Namibia, abseits von Windhoek aussieht: Endlose Weite, strahlende Sonne, zahlreiche Tiere und leider auch eine Menge Armut.




Auf dem Weg zum Park fuhren wir an Katatura, dem Township Windhoeks vorbei, welches leider nicht nur flächenmäßig den größten Anteil Windhoeks ausmacht. Es war ein sehr ernüchterndes Bild, wie Wellblechhütte an Wellblechhütte stand. Sobald man die Stadt Windhoek verlässt geht die Straße auch schon in eine Schotterpiste über. Mit einem kleinen und alten Golf verzichtet man zwar auf Komfort, schont aber den Geldbeutel. In Park angekommen sahen wir direkt einen Affen auf einem Strommast. Unsere erste Tierbegegnung in Namibia. Während der Wanderung kamen dann noch zahlreiche Antilopenarten, Gnus und ein murmeltierartiges Tier dazu. Die Wanderung war ganz schön anstrengend. Die Höhe und die Sonne machte einem schon zu schaffen. Die tolle Landschaft, die Tiere und ein Blick über ganz Windhoek entschädigten uns aber deutlich. Ein bisschen enttäuscht, dass wir keine Giraffen und Zebras gesehen hatten stiegen wir wieder in das Auto. Im Auto sitzend entdeckten wir dann aber doch noch eine große Herde Giraffen und Zebras. Der Anblick dieser riesigen Tiere war wirklich beeindruckend. Ihr könnt ja mal einen Blick auf die Fotos werfen.

Freitag, 6. März 2009

Studium muss Hobby bleiben


So lässt es sich studieren: Gute 25 Grad, Pool, Sonne und sehr lässige Professoren sorgen für eine angenehme und produktive Atmosphäre. Zugegeben, momentan ist es eher angenehm als produktiv. Die Kurse hier sind aber überraschend interessant.


Natürlich ist das Niveau nicht so wie in Münster, die Vorlesung aber praxisnah und die Probleme Namibias und Afrikas werden gut in die Theorie eingebaut. Statistik bleibt aber auch in Namibia Statistik und lässt sich auch mit dem besten Wetter nicht schönreden :) . Nächste Woche Samstag steht auch schon der erste Test an.
Die Uni ist teilweise überraschend modern eingerichtet. Vor allem die Bücherei kommt an die in Münster locker heran. Unsere Kommilitonen haben uns freundlich empfangen und die Professoren freuen sich über unseren Besuch. Wir können uns allerdings nicht erlauben mal nicht zu einer Vorlesung zu gehen. Unter 30 Schwarzen Kommilitonen fallen wir doch irgendwie auf.

Die Vorlesungen sind hier deutlich lockerer und es wird deutlich mehr gelacht, diskutiert und über Vortragsnoten abgestimmt.
Wir haben drei mal die Woche schon um 7.30 Uhr Uni, was uns beiden nicht so entgegen kommt. Es lässt sich aber deutlich leichter aufstehen, wenn die Sonne scheint.

Wir haben mit unserem Hostel auf jeden Fall Glück gehabt. Auch wenn hier überwiegend Deutsche wohnen (abgesehen von einem Schweden und einer Kanadierin). Wir haben aber durch Damalie zum Glück auch Kontakt zu Afrikanern. Wir gehen heute abend mit ihrem Bruder Tim und den anderen aus dem Hostel im "Warehouse" feiern.

10 Stunden Richtung Sonne

Hi everybody!
Hat ein wenig gedauert mit dem ersten Eintrag hier, aber während die meisten von euch ja Ferien haben, müssen wir schon wieder in die Uni ;)

Air Namibia (das gehört schon dazu) hat uns am Dienstagmorgen sicher nach Windhoek gebracht und der Flug konnte sich absolut sehen lassen: eine eigene Reihe und die perfekte Einstimmung mit Windhoek Lager und süadfrikanischem Wein.

Auch die Einreise verlief unproblematischer als gedacht. Zwar haben wir das Studentenvisum schon Ende Oktober beantragt, aber nicht zuletzt weil das namibianische Innenministerium den kompletten Januar wegen Sommerferien schließt, mussten wir ohne gültiges Visum losfliegen. Zum Glück hat uns die nette Frau von der namibianischen Botschaft in Berlin noch ein Schreiben aufgesetzt, was unseren Antrag bestätigt hat. So haben wir jetzt ein 30-Tage-Visum und müssen uns hier vor Ort drum kümmern. Wir wären nicht die ersten, bei denen das fast schief geht. Andere Studenten aus unserem Hostel mit einem 7-Tage-Touristenvisum hatten den Rückflug schon gebucht und saßen nach 6 Tagen in Windhoek auf gepackten Koffern, als dann doch der Anruf aus dem Ministerium kam! Also bleibt uns eigentlich nur, uns auf die Uni zu verlassen ("We take care of this, it is our responsibility. If you are arrested, we get you outta there")... Wir sehen uns also in 26 Tagen wieder!